Kampf um Anerkennung: Ist psychogene Erblindung eine Behinderung?
Psychogene Blindheit: Oberverwaltungsgericht prüft Anspruch - Kampf um Anerkennung: Ist psychogene Erblindung eine Behinderung?
Eine Frau aus dem Kreis Steinfurt kämpft um die rechtliche Anerkennung ihrer psychogenen Erblindung – einer Störung, bei der der Sehverlust ohne körperliche Schäden an den Augen auftritt. Streitpunkt ist, ob ihre psychisch bedingte Blindheit nach deutschem Recht als gesetzlich definierte Behinderung gilt. Nach Jahren des Rechtsstreits liegt der Fall nun beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen.
Die Frau hatte 2018 erstmals finanzielle Unterstützung sowie einen Schwerbehindertenausweis beantragt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lehnte ihre Anträge ab mit der Begründung, psychogene Blindheit erfülle nicht die gesetzlichen Kriterien für Blindheit. Daraufhin zog sie vor das Verwaltungsgericht Münster, das ihre Klage abwies. Das Gericht äußerte zudem Zweifel an der Echtheit ihrer Erkrankung und stellte infrage, ob sie tatsächlich darunter leide, ihre Symptome übertreibe oder die Behinderung sogar nur vortäusche.
Ein Gutachter der Universität Tübingen untersuchte sie später und entdeckte Widersprüche: Tests ergaben eine fast normale Sehkraft auf dem rechten und eine sehr gute auf dem linken Auge – im Widerspruch zu ihren eigenen Schilderungen vollständiger Erblindung. Die COVID-19-Pandemie verzögerte das Verfahren zusätzlich und verlängerte so den Rechtsweg.
Die Klägerin legte Revision beim OVG ein, das nun entscheiden muss, ob psychogene Blindheit rechtlich mit herkömmlicher Blindheit gleichzusetzen ist. Nach der mündlichen Verhandlung wird das Urteil am 27. Februar 2023 erwartet. Ähnliche Fälle in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg sind noch ungelöst, und in anderen europäischen Ländern gibt es bisher keine dokumentierten Präzedenzfälle.
Psychogene Erblindung tritt meist nach schweren Traumata auf, hinterlässt jedoch keine physischen Spuren an Augen oder Sehnerven. Dieser Mangel an objektiven medizinischen Nachweisen macht den Fall der Frau besonders komplex.
Die Entscheidung des OVG wird darüber bestimmen, ob die Klägerin Anspruch auf Leistungen nach dem Behindertenrecht hat. Das für den 27. Februar erwartete Urteil könnte richtungsweisend für künftige Fälle psychogener Erkrankungen sein. Bis dahin bleibt ihr Rechtsstreit – und die grundsätzliche Frage, wie solche Behinderungen anerkannt werden – ungelöst.
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