16 March 2026, 18:18

Pflege zu Hause: Warum Eigenanteile von über 7.000 Euro Familien ruinieren

Eine Frau mit einem Baby im Arm vor einem Plakat mit der Aufschrift 'Mütterrenten: Über 20 Bundesstaaten helfen, das Zuhause zu bewahren'.

Pflege zu Hause: Warum Eigenanteile von über 7.000 Euro Familien ruinieren

Deutschlands Pflegesystem steht wegen hoher Eigenanteile zunehmend in der Kritik

Die meisten pflegebedürftigen Menschen in Deutschland – 85,9 Prozent – werden zu Hause versorgt, oft von Angehörigen. Doch diese Lösung kann Betroffene monatlich Tausende Euro kosten, ohne dass finanzielle Entlastung in Sicht ist.

Nach deutschem Recht hat die häusliche Pflege Vorrang, wie in Paragraf 3 des Elften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB XI) festgelegt. Das Ziel: Pflegebedürftige sollen in vertrauter Umgebung bleiben, unterstützt von Familienmitgliedern oder professionellen Pflegekräften. Doch die finanzielle Belastung bleibt enorm: Die Eigenanteile für die häusliche Pflege liegen zwischen 340 und 7.441 Euro pro Monat, im Median bei 2.085 Euro – alles Kosten, die die Pflegeversicherung nicht übernimmt.

Angehörige leisten im Schnitt 49 Stunden unbezahlte Pflege pro Woche, Arbeit im Wert von etwa 15 Euro pro Stunde. Trotzdem sinken die Kosten mit der Zeit nicht – anders als in Pflegeheimen, wo Zuschüsse die Belastung mildern können. Wer stationär untergebracht ist, musste 2024 im ersten Jahr durchschnittlich über 3.200 Euro monatlich selbst zahlen. In Baden-Württemberg lag der Betrag bei 2.907 Euro, bis 2026 soll er auf 3.532 Euro steigen.

Der Bundesverband wir pflegen! e.V. spricht von einem "skandalösen Ungleichgewicht". Die Organisation kritisiert, dass das System diejenigen bestraft, die sich für die häusliche Pflege entscheiden – bei Schwerstpflegebedürftigen können die Kosten über 7.000 Euro im Monat betragen. Die Bundesregierung hat zwar eine Reform bis Ende 2026 zugesagt, um die Pflege bezahlbarer und nachhaltiger zu gestalten.

Doch bis dahin bleiben viele mit den hohen, unerbittlichen Kosten allein. Die Lücke zwischen politischen Zielen und finanzieller Realität bleibt für Pflegebedürftige und ihre Familien ein drängendes Problem.

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