16 March 2026, 10:11

"Komische Vögel" am TD Berlin: Satire trifft auf NS-Geschichte und digitale Vogelkunde

Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und Text sowie einem Logo auf der sichtbaren Seite.

"Komische Vögel" am TD Berlin: Satire trifft auf NS-Geschichte und digitale Vogelkunde

"Komische Vögel" am TD Berlin: Eine ungewöhnliche Mischung aus Vogelkunde, Geschichte und digitaler Kultur

Am TD Berlin feiert ein neues Stück Premiere, das Ornithologie, Geschichte und moderne Digitalkultur auf ungewöhnliche Weise verbindet. "Komische Vögel" nutzt das Vogelbeobachten als Metapher, um Themen wie Entfremdung, NS-Wissenschaft und die Herausforderungen der zeitgenössischen Theaterfinanzierung zu erkunden. In den Hauptrollen sind Vanessa Stern, Verena Unbehaun und Mira Partecke zu sehen, die Satire mit historischer Reflexion verbinden.

Die Bühne ist gefüllt mit wackeligen Leitern und skurrilen Kostümen – ein Setting, das sowohl die Kürzungen im Kulturbereich als auch die wachsende Abhängigkeit der Gesellschaft von Technologie kritisch hinterfragt. Die drei Schauspielerinnen schlüpfen in überzeichnete Alter Egos: Partecke als naive Beobachterin, Unbehaun als attentionheischende Veteranin und Stern als autoritäre Anführerin. Ihre Figuren bewegen sich in einer Welt, in der Vogelbestimmungs-Apps den Verlust der Verbindung zur Natur symbolisieren.

Einer der prägnantesten Momente der Inszenierung zeigt Unbehaun, die über die Bühne marschiert und dabei Passagen aus den Aufzeichnungen von Günther Niethammer rezitiert – ein SS-Offizier und Ornithologe, der in Auschwitz tätig war. Das Stück verweist zudem auf die Umbenennung des Plattschnabel-Wassergeflügels in "Thors Huhn" durch das NS-Regime und verbindet so historische Ideologie mit der Vogelkunde. Die Schauspielerinnen tragen derweil Kostüme wie einen Hühnchenkopf, einen gefleckten Overall und ein Tarnnetz, wodurch die Grenze zwischen Performance und Absurdität verschwimmt.

Jenseits der historischen Bezüge untersucht "Komische Vögel", wie digitale Werkzeuge das moderne Vogelbeobachten prägen. Die Produktion fragt, ob Apps und Bildschirme den Menschen näher an die Natur heranführen – oder ihn noch weiter von ihr entfernen. Mit einer vielschichtigen Mischung aus Komödie, Geschichtsaufarbeitung und Gesellschaftskritik entsteht so ein zum Nachdenken anregendes Theatererlebnis.

Das Stück kehrt für drei weitere Vorstellungen am 21., 22. und 23. November ans TD Berlin zurück. Durch die Verbindung von Satire, historischer Reflexion und einer kritischen Auseinandersetzung mit der digitalen Kultur bietet "Komische Vögel" eine einzigartige Perspektive darauf, wie der Mensch mit Natur und Geschichte interagiert. Tickets für dieses ungewöhnliche Bühnenerlebnis sind noch erhältlich.

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