Wie sich faschistoide Haltungen schleichend in unserer Gesellschaft verbreiten
Ante TextorWie sich faschistoide Haltungen schleichend in unserer Gesellschaft verbreiten
Die Debatte über die „Faschisierung“ hat nach der Affäre um Luigi Pantisano eine groteske Wendung genommen. Mit rechtem Populismus lassen sich die aktuellen politischen Verschiebungen längst nicht mehr fassen. Stattdessen breitet sich eine schleichende faschistoide Stimmung wie ein Virus aus und prägt Diskurs und Verhalten um.
Faschismus ist keine starre Ideologie, sondern ein schrittweiser Prozess, der sich in die Gesellschaft einschleicht. Er braucht keinen plötzlichen Putsch – seine Anhänger nutzen die Demokratie, um sie später von innen zu zerstören. Der Weidel-Höcke-Reichelt-Musk-Komplex formt bereits heute die Menschen, die morgen zu Handlangern der Unterdrückung werden könnten.
Es entsteht eine paranoide Scheinrealität, die Wut und Aggression schürt. Wer ihr verfällt, akzeptiert nicht nur Grausamkeiten, sondern feiert sie. Die Geschichte zeigt: Menschen können Taten begeistert befürworten, die sie einst für undenkbar hielten.
Die Basis dieser Bewegung ist nicht bloß verführt – sie treibt ihre eigene Radikalisierung aktiv voran. Lehrjahre der Unmenschlichkeit überbrücken die Kluft zwischen bestehenden Überzeugungen und der Mittäterschaft an Verbrechen. Strategisch wäre es kontraproduktiv, gemäßigtere Konservative auszugrenzen, denn Faschismus gedeiht dort, wo er sich mit traditionellem Konservatismus verbündet. Taktisch gesehen verfehlt die Nachahmung rechtsextremer Rhetorik jede Wirkung bei linksgerichteten Wählern.
Die gegenwärtige Dynamik offenbart eine gefährliche Entwicklung: Faschistoide Haltungen wachsen nicht durch Gewalt, sondern durch die schleichende Normalisierung des Extremismus. Die Erziehung künftiger Vollstrecker hat bereits begonnen – ihre Taten werden die Konsequenzen bestimmen.
