Wie die Bundeswehr gegen Proteste und Ängste gegründet wurde
Die Gründung der Bundeswehr, der Nachkriegsarmee Westdeutschlands, begann in den frühen 1950er-Jahren mitten in einer hitzigen öffentlichen Debatte. Erste Diskussionen kamen während des Koreakriegs auf, als die westlichen Alliierten auf einen deutschen Verteidigungsbeitrag drängten. Doch der Weg zur Wiederbewaffnung stieß auf starken Widerstand – von verbotenen Volksabstimmungen bis hin zu Massenprotesten unter dem Motto "Ohne mich!" ("Zählt mich nicht mit!").
Die Idee einer deutschen Streitmacht gewann 1950 wieder an Fahrt, als der Koreakrieg die Notwendigkeit einer westeuropäischen Verteidigung unterstrich. 1951 wurde ein Volksentscheid über die Wiederbewaffnung initiiert – doch das Innenministerium verbot ihn umgehend. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine kommunistisch geprägte Jugendorganisation, die sich gegen die Remilitarisierung stellte, in Westdeutschland verboten.
Der Widerstand wuchs, als die Pläne konkreter wurden. Pazifistische und sozialistische Gruppen, darunter die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), argumentierten, das Grundgesetz verbiete eine Wiederbewaffnung aufgrund seines Friedensauftrags (Artikel 87a, 87b). Auch Gewerkschaften und Teile der SPD lehnten sich auf und forderten Alternativen zum Militärdienst. Die Proteste hielten selbst dann an, als der NATO-Beitritt bevorstand – viele fürchteten eine Rückkehr zum Militarismus so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Trotz des Gegenwinds trieb die Regierung die Pläne voran. Am 12. November 1955 berief Theodor Blank – später erster Verteidigungsminister – offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere der Bundeswehr. Der Name wurde allerdings erst am 1. April 1956 offiziell angenommen. Bereits im Januar desselben Jahres hatten sich die ersten Freiwilligen in den Kasernen gemeldet – der praktische Beginn der neuen Streitmacht.
Im Juli 1956 führte der Bundestag nach erbitterten Debatten die Wehrpflicht ein. Der Widerstand riss nicht ab: 1957 unterzeichneten 18 renommierte Wissenschaftler das Göttinger Manifest, in dem sie vor der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr warnten. Ihr Protest spiegelte die weitverbreitete Unruhe über die rasche Aufrüstung Westdeutschlands im geteilten Europa des Kalten Krieges wider.
Bis 1956 war die Bundeswehr etabliert, doch ihre Gründung hinterließ tiefe Spaltungen in der westdeutschen Gesellschaft. Die Wehrpflicht wurde Gesetz, doch die Vorbehalte gegen Militarisierung und Atomwaffen hielten noch Jahre an. Die Debatten dieser Zeit prägten spätere Politik in den Bereichen Verteidigung, Pazifismus und die Rolle des Militärs im Nachkriegsdeutschland.






