Warum die AfD in Ostdeutschland immer stärker wird – und was jetzt helfen könnte
Isabella ReinhardtDie Stadtlandschaft und der Osten: Im Angstbereich der deutschen Politik - Warum die AfD in Ostdeutschland immer stärker wird – und was jetzt helfen könnte
Der Aufstieg der AfD in Ostdeutschland hat eine Debatte über die Ursachen ihrer wachsenden Unterstützung entfacht. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak und der Journalist Martin Debes haben untersucht, wie Ängste – vor Migration, wirtschaftlichem Niedergang und sozialer Ausgrenzung – den Einfluss der Partei befeuern. Ihre Analysen verweisen auf langjährige Missstände, die die etablierte Politik oft ignoriert hat.
2015 hielt der AfD-Politiker Björn Höcke in Erfurt eine Kundgebung ab, bei der er behauptete, "die Angstzonen würden wachsen, besonders für blonde Frauen". Diese Aussage traf bei einigen Wählern auf Zustimmung, darunter eine Frau, die später mit dem Stern-Kolumnisten Martin Debes aneinandergiet, weil sie Höckes Äußerungen unterstützte. Debes, der über die Wahrnehmung unsicherer Räume berichtet – von rechtsextremen Gruppen bis hin zu kriminellen Netzwerken mit Migrationshintergrund –, stellt fest, dass solche Ängste in Ostdeutschland seit über 35 Jahren geäußert werden.
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, schrieb aus Duisburg in Nordrhein-Westfalen, wo die AfD die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat stellt. Seine Analyse verbindet den Erfolg der Partei im Osten mit Migration, Deindustrialisierung, vererbter Armut und sozialer Ausgrenzung. Er argumentiert, die AfD habe ein Jahrzehnt lang Ängste vor wirtschaftlichem und kulturellem Wandel ausgeschlachtet, während die etablierten Parteien diese Sorgen entweder ignorierten oder nur oberflächlich behandelten.
Sowohl Banaszak als auch Debes betonen, dass progressive Kräfte diese Ängste ernst nehmen müssen, statt sie abzutun. Banaszak ist überzeugt: Wer die Emotionen der Menschen anerkennt und mit konkreten Maßnahmen reagiert, könnte das Vertrauen zurückgewinnen – besonders in Regionen, in denen die AfD bereits Fuß gefasst hat.
Das Erstarken der AfD in Ostdeutschland spiegelt tief verwurzelte Sorgen wider, die seit Jahren unbeantwortet bleiben. Ohne die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen hinter diesen Ängsten anzugehen, warnen Analysten, werde die Unterstützung für die Partei voraussichtlich weiter bestehen. Die Herausforderung liegt nun darin, ob es der progressiven Politik gelingt, mit echten Lösungen statt mit Ablehnung wieder Anschluss an die Wähler zu finden.






