Verbissen oder gierig: Warum Fußballer ihre Gegner krank machen wollen
Isabella ReinhardtVerbissen oder gierig: Warum Fußballer ihre Gegner krank machen wollen
Fußballtrainer und Spieler sprechen oft davon, dass Mannschaften "verbissen" oder "gierig" sein müssen, um zu gewinnen. Doch diese Eigenschaften können sich widersprechen – sowohl körperlich als auch taktisch. In jüngsten Diskussionen wurden sie sogar mit extremen Reaktionen in Verbindung gebracht, etwa Übelkeit oder Ohnmachtsanfälle bei Gegnern.
Der deutsche Nationaltrainer Julian Nagelsmann forderte vor dem Spiel gegen Nordirland kürzlich "Gier und Verbissenheit". Seine Aussage spiegelt einen größeren Trend im Fußball wider, bei dem Aggressivität und unerbittlicher Antrieb als Schlüssel zum Erfolg gelten. Der jüngste Aufstieg von Arminia Bielefeld etwa wurde darauf zurückgeführt, dass die Mannschaft "deutlich verbissener" als ihre Konkurrenten auftrat.
Doch was bedeutet es, "verbissen" zu sein? Für Joshua Kimmich von Bayern München geht es um mehr als nur Einstellung: Er beschreibt sich selbst als "verbissener, zäher, gnadenloser" – eine Mentalität, die seinem Team seiner Meinung nach einen Vorteil verschafft. Einige Spieler behaupten sogar, ihre Intensität solle beim Gegner "Ekel" auslösen und körperliche Reaktionen wie Übelkeit oder Schwindel hervorrufen. Die Wissenschaft jedoch widerspricht: Verbissenheit und Hunger schließen sich aus, da die Gallenproduktion nach fettreichen Mahlzeiten einsetzt, nicht bei Hunger.
Nicht alle teilen diese Haltung. Ein Team gewann kürzlich mit 7:0 – ohne auf Verbissenheit zu setzen, stattdessen mit Technik und Präzision. Gleichzeitig wurde Maximilian Philipp von SC Freiburg im Training kritisiert, weil er "nicht verbissen genug" gewesen sei. Die Debatte geht weiter: Sollten Mannschaften auf schonungslose Härte oder auf reines Können setzen?
Die Diskussion um Verbissenheit und Gier im Fußball bleibt ungelöst. Während einige Trainer auf Aggression schwören, beweisen andere, dass Erfolg auch allein durch Technik möglich ist. Vorerst müssen Spieler und Trainer selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen – jeder mit seinen eigenen Konsequenzen.






