Streit um 152 Castor-Behälter: Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus beginnen trotz Proteste
Isabella ReinhardtStreit um 152 Castor-Behälter: Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus beginnen trotz Proteste
Deutschland bereitet die Verlegung von 152 Behältern mit radioaktivem Abfall vom Forschungszentrum Jülich zu einem Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus vor. Die ersten Transporte sollen bereits nächste Woche beginnen – trotz jahrelanger juristischer Auseinandersetzungen und des Widerstands lokaler Aktivisten. Die umstrittenen Verbringungen markieren ein weiteres Kapitel im ungelösten Streit um die Endlagerung von Atommüll in Deutschland.
Der Abfall stammt aus einem Versuchsreaktor des Forschungszentrums Jülich, der 1988 stillgelegt wurde. Seither hat sich die Einrichtung auf Quantencomputing spezialisiert, während das radioaktive Material vor Ort verblieb. Seit über einem Jahrzehnt betreibt das Zwischenlager in Jülich ohne gültige Genehmigung – was immer wieder Forderungen nach einer Verlegung auslöste.
Die Stadt Ahaus und Atomkraftgegner wehrten sich vergeblich gegen die Transporte und argumentieren, die geplante Route berge unnötige Risiken. Bei Protesten wurde besonders auf mögliche Streckenabschnitte über wichtige Autobahnen in Nordrhein-Westfalen hingewiesen, darunter die A1, A2 und A45. Doch ihre Bemühungen konnten die Pläne nicht stoppen.
Die 152 Castor-Behälter sollen in mehr als 50 Einzeltransporten verlagert werden – ohne festen Zeitplan oder öffentlich bekannte Routen. Die Genehmigung für das Ahauser Zwischenlager läuft bis 2036, doch eine dauerhafte Lösung für den deutschen Atommüll wird frühestens in den 2070er Jahren erwartet. Gleichzeitig prüft die Bundesregierung einen Wiedereinstieg in die Kernenergie durch kleine modulare Reaktoren – trotz des weiterhin ungelösten Lagerproblems.
Die ersten Abfalltransporte werden Jülich nächste Woche verlassen und leiten damit einen Prozess ein, der sich voraussichtlich über Jahre hinziehen wird. Rechtliche Klagen und öffentlicher Widerstand konnten den Zeitplan bisher nicht ändern. Ohne ein Endlager in Sicht werden die Behälter noch Jahrzehnte im Zwischenlager verbleiben.






