Rücktritt von Stadtwerke-Chef Hermes mitten im Bonner Grundstücksskandal
Ante TextorRücktritt von Stadtwerke-Chef Hermes mitten im Bonner Grundstücksskandal
Olaf Hermes, der Chef der Bonner Stadtwerke, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben – mitten in einem anhaltenden Grundstücksskandal. Sein Abschied erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen große Investitionen plant, gleichzeitig aber auch Einsparungen im lokalen Nahverkehr anstrebt. Hermes, der 2022 die Leitung übernahm, hatte den Skandal bereits im Dezember aufgedeckt.
Im Mittelpunkt der Affäre stehen Vorwürfe politischer Einflussnahme bei einem Grundstücksgeschäft auf dem Gelände des Flugplatzes Hangelar. Ermittlungen zufolge sollen Bonns Oberbürgermeister Guido Déus, sein Stellvertreter und Sebastian Schuster versucht haben, den kommunalen Versorger von der Transaktion abzuhalten. Hermes begründete seinen Rücktritt bis zum Sommer mit einem Vertrauensverlust in die lokale Politik.
Der Aufsichtsrat bekräftigte indes seine Unterstützung für Hermes und die Geschäftsführung. Gleichzeitig bereitet das Unternehmen einen vertraulichen Bericht über die mutmaßliche Einflussnahme für die Staatsanwaltschaft vor. Zudem gibt es Hinweise, dass ein Bonner Busunternehmer und prominenter CDU-Spender die Vereinbarung beeinflusst haben könnte.
Stand März 2026 hat die Stadt noch keine konkreten rechtlichen oder strukturellen Maßnahmen vorgelegt, um mögliche Interessenkonflikte im Flughafenprojekt zu regeln. Die Diskussionen in den Ausschüssen des Stadtrats konzentrieren sich weiterhin auf allgemeine Transparenzprüfungen statt auf gezielte Schritte.
Mit Hermes' Rücktritt steht den Bonner Stadtwerken ein Führungswechsel in einer kritischen Phase bevor. Das Unternehmen muss nun sowohl seine Investitionspläne als auch die Folgen des Grundstücksskandals bewältigen. Die Staatsanwaltschaft wird den vertraulichen Bericht prüfen, während die Stadtverantwortlichen weiterhin über Transparenzreformen debattieren.