"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim keine Pest-Legende ist
Isabella Reinhardt"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim keine Pest-Legende ist
Die Ursprünge des Kinderreims „Ringel, Ringel, Reihe“ werden seit langem diskutiert. Viele vermuten einen Bezug zu historischen Seuchen – doch Belege sprechen dagegen. Wahrscheinlich entstand der Reim als einfaches Kinderspiel im Deutschland des 18. Jahrhunderts.
Die früheste gedruckte englische Fassung erschien erst 1881 – ein Zeitpunkt, der Theorien widerlegt, die den Reim mit der Großen Pest von London (1665) oder dem Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert in Verbindung bringen. Zudem war die Einäscherung von Leichen während der Pest in England verboten, was diese Deutung zusätzlich unwahrscheinlich macht.
Einige sehen in dem Reim eine Beschreibung der Beulenpest-Symptome: „Rosen“ als Hautausschlag, „Täschchen“ (im Original „posies“) als Heilmittel und „alle fallen um“ als Tod. Andere vermuten, er ermöglichte Jugendlichen im 19. Jahrhundert trotz religiöser Tanzverbote ein harmloses Vergnügen. Doch Forscher halten diese Erklärungen für spekulativ – möglicherweise hat der Reim schlicht keine tiefere Bedeutung.
Da es zahlreiche Varianten des Liedes gibt, gestaltet sich die Suche nach seinem genauen Ursprung schwierig. Trotz der angeblich düsteren Assoziationen bleibt es ein fröhliches Kinderspiel. Die Pest-Theorie gilt unter Historikern als widerlegte Legende ohne fundierte Beweise.
Am plausibelsten ist die Annahme, dass der Reim aus einem deutschen Kinderspiel des 18. Jahrhunderts hervorging. Ein Zusammenhang mit Seuchen lässt sich historisch nicht belegen. Heute lebt er als unbeschwertes Spiel weiter – ohne nachweisbaren Bezug zu Krankheit oder Tod.
