13 March 2026, 14:10

Paderborns Kirche gesteht jahrzehntelangen Missbrauch und institutionelles Versagen ein

Ein Buch mit Bildern verschiedener Räume, Flure und Artefakte der katholischen Kirche, begleitet von Texten zu ihrer Geschichte und Bedeutung.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborns Kirche gesteht jahrzehntelangen Missbrauch und institutionelles Versagen ein

Das Erzbistum Paderborn hat einen vernichtenden Bericht über jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen veröffentlicht. Bischof Udo Markus Bentz bat die Opfer öffentlich um Vergebung und bezeichnete die Erkenntnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen. Die Studie förderte weitaus mehr Fälle zutage als bisher bekannt – mit Wurzeln bis ins Jahr 1941.

Eine Untersuchung der Universität Paderborn aus dem Jahr 2023 ergab, dass zwischen 1941 und 2002 im Bistum 489 Opfer und 210 Beschuldigte zu verzeichnen waren. Damit verdoppeln sich die Zahlen nahezu im Vergleich zu einer Studie von 2018, die für den Zeitraum 1946 bis 2014 noch 197 Opfer und 111 Beschuldigte dokumentiert hatte. Der neue Bericht basiert auf einer unabhängigen Forschung, die das Erzbistum in Auftrag gegeben hatte.

Die Kanzlei Feigen und Graf prüfte 2023 separat Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Ihr Fazit: Die Anschuldigungen gegen ihn seien nicht glaubwürdig. Dennoch kündigte das Erzbistum an, Degenhardts Rolle während des Skandals weiter aufarbeiten zu wollen.

Reinhold Harnisch, Vertreter der Opfer, begrüßte die Entschuldigung von Bischof Bentz als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Zudem unterstützte er Forderungen, Straßen umzubenennen, die Kardinal Degenhardt und Kardinal Jaeger ehren – beide stehen im Verdacht, in Vertuschungen verwickelt gewesen zu sein. Bisher hat das Erzbistum 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt.

Die Missbrauchskrise der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither ermitteln Bistümer bundesweit zu historischen Fällen und leisten Wiedergutmachung.

Das Erzbistum Paderborn wird seine unabhängige Aufklärung fortsetzen, mit Fokus auf vergangene Versäumnisse und das Verhalten leitender Geistlicher. Überlebende erhielten bereits 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen, während die Rufe lauter werden, öffentliche Ehrungen für in den Skandal verstrickte Persönlichkeiten zu entfernen. Die Ergebnisse bestätigen ein Muster des Missbrauchs, das sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckt.

Quelle