Opernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf Musik – ist das noch Kunst?
Bernhard WeinholdOpernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf Musik – ist das noch Kunst?
Große Opernhäuser verlagern ihren Fokus auf soziale Medien – doch statt Musik in den Vordergrund zu stellen, werben viele nun mit Lifestyle-Inhalten, Getränken und Benimmregeln. Diese Entwicklung wirft Fragen über die Zukunft der Kunstform auf.
Das Instagram-Profil der Wiener Staatsoper präsentiert die Moderatoren Hemma und Jakob, die in Tutorials erklären, wie man in der Pause Essen bestellt, sich für die Oper kleidet oder sich grundlegend benimmt. Ihre Beiträge inszenieren die Oper eher als Spielwiese oder kulinarisches Erlebnis denn als Kunstgenre.
Ähnlich verhält es sich beim Festspielhaus Baden-Baden: Hier werden klassische Musik und Spritz-Cocktails, Sundowner oder DJ-Sets auf der After-Show-Terrasse beworben. Auch der bekannte Influencer Opera Bert taucht in lockeren Posts auf den Accounts verschiedener Opernhäuser auf.
Die Berliner Staatsoper setzt auf eine andere, aber ebenso unmusikalische Strategie. Ihr Instagram-Auftritt dient oft der Imagepflege für Sponsoren wie BMW und vermittelt so einen altbackenen Eindruck. Eine Ausnahme bildet die Bayerische Staatsoper, die konsequent die Musik selbst in den Mittelpunkt stellt – etwa durch Gespräche zwischen Künstlern und Dirigenten.
Das Ergebnis ist ein angepasstes und oberflächliches Opernbild in den sozialen Medien. Was einst als provokative Kunst galt, wirkt heute oft wie bloße Unterhaltung oder ein Konsumangebot. Die Fixierung auf Belanglosigkeiten verdrängt die Musik, die das Genre eigentlich ausmacht.
