Jeder zweite Jugendliche betroffen: Sexualisierte Gewalt im Netz erreicht Rekordausmaß
Isabella ReinhardtJeder zweite Jugendliche betroffen: Sexualisierte Gewalt im Netz erreicht Rekordausmaß
Fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland ist mittlerweile von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen – das zeigt eine aktuelle Studie. Die jüngste Auswertung des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit offenbart ein flächendeckendes Problem: Digitale Belästigung trifft Minderjährige auf vielfältige Weise. Experten warnen, dass Schulen, Eltern und Tech-Konzerne dringend handeln müssen, um die wachsende Bedrohung einzudämmen.
Eine der häufigsten Gefahren ist Cybergrooming, bei dem Täter Kinder und Jugendliche gezielt in Chats ansprechen, um sie schrittweise sexuell zu missbrauchen. 2025 gab fast ein Viertel der Minderjährigen an, bereits solche Manipulationsversuche erlebt zu haben. Viele Vorfälle spielen sich auch in Freundes- oder Klassengruppenchats ab – oft begünstigt durch Naivität und mangelnde Medienkompetenz.
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen setzte genau hier an: Die Expertin Yasmina Ramdani leitete Präventionsworkshops an Schulen und erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse. Zwar erkennen Lehrkräfte die Dringlichkeit des Themas, doch viele fühlen sich überfordert, wenn es um den Umgang mit digitaler Gewalt geht.
Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern im Netz maßgeblich von ihrem Umfeld abhängt. Eltern müssten im Dialog bleiben, Datenschutzeinstellungen aktiv gestalten und klare Grenzen vermitteln. Die Debatte rückt zudem die Verantwortung der Tech-Plattformen in den Fokus, die von Systemen profitieren, die solche Übergriffe erst ermöglichen. Ein viel beachteter Fall um die Schauspielerin Collien Fernandes und ihren Ex-Mann Christian Ulmen hat diese Problematik zusätzlich ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Die Studie bestätigt: Sexualisierte Gewalt im digitalen Raum ist ein Massenphänomen, das fast jeden zweiten jungen Menschen betrifft. Schulen, Eltern und Technologieunternehmen sind gleichermaßen gefordert – doch konkrete Maßnahmen bleiben lückenhaft. Ohne ein gemeinsames Vorgehen droht das Problem weiter zu eskalieren.






