Illegales Entsorgungsnetzwerk in NRW: Giftmüll-Skandal mit System
Bernhard WeinholdIllegales Entsorgungsnetzwerk in NRW: Giftmüll-Skandal mit System
Ein Abfallhändler aus Unna sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert, nachdem Ermittler ein großangelegtes illegales Entsorgungsnetzwerk in Nordrhein-Westfalen aufgedeckt haben. Der Beschuldigte, der bereits wegen früherer Delikte wie Bestechung und Steuerhinterziehung auffällig wurde, soll ein System betrieben haben, bei dem gefährliche Abfälle illegal entsorgt wurden – während Kunden und Behörden getäuscht wurden.
Die Ermittlungen begannen vor eineinhalb Jahren und konzentrierten sich auf die illegale Beseitigung von belastetem Erdreich und Sondermüll. Den Behörden zufolge gab sich der Verdächtige als "freier Berater" eines Recyclingunternehmens in Soest aus und steuerte von dort aus Abfallströme sowie Operationen in Bottrop. Gemeinsam mit mehreren Komplizen soll er gefährliche Abfälle angenommen, mit harmlosen Materialien vermischt und umdeklariert haben, um ihre wahre Beschaffenheit zu verschleiern.
An dem Netzwerk waren mehrere Standorte beteiligt, darunter der Tagebau Garzweiler. Über 43.000 Tonnen kontaminiertes Erdreich wurden illegal in Selfkant und Kamp-Lintfort abgeladen, wobei ein Auftraggeber laut Angaben rund 360.000 Euro für die Entsorgung gezahlt haben soll. In der Vergangenheit war der Beschuldigte bereits in einen Fall verwickelt, der mit der illegalen Entsorgung von Abfällen aus einer BP-Raffinerie zusammenhing.
Bei einer Durchsuchung des Fahrzeugs des Verdächtigen beschlagnahmten die Ermittler 120.000 Euro Bargeld, 200 Gramm Gold und weitere Wertgegenstände. Die Untersuchungen haben sich inzwischen auf mehrere Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen ausgeweitet, die verdächtigt werden, Teil des Netzwerks zu sein. Unterdessen leitet die Stadt Gelsenkirchen Schritte ein, um Hersteller und Lieferanten nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz für ihre Abfälle zur Verantwortung zu ziehen – und zu verhindern, dass die Kosten auf die Steuerzahler abgewälzt werden.
Das Verfahren läuft noch, bisher wurden keine Unternehmen in Nordrhein-Westfalen offiziell angeklagt. Die Vorstrafen des Beschuldigten und das Ausmaß der Operationen deuten jedoch auf ein langjähriges kriminelles System hin. Die Behörden prüfen weiterhin die Reichweite des Netzwerks und das volle Ausmaß der verursachten Umweltschäden.