Igor Levit kämpft mit Musik und Worten gegen wachsenden Antisemitismus
Ante TextorIgor Levit kämpft mit Musik und Worten gegen wachsenden Antisemitismus
Der weltbekannte Pianist Igor Levit zählt seit langem zu den prägendsten Persönlichkeiten der klassischen Musik. In den vergangenen zehn Jahren ernteten seine Auftritte internationale Anerkennung, während sich sein Engagement gegen Antisemitismus und für die Menschenrechte mit zunehmender Dringlichkeit entfaltete. Aktuelle Ereignisse, darunter der Hamas-Angriff vom 7. Oktober, haben seine Verbindung zu seinem jüdischen Erbe vertieft und seine öffentliche Haltung gegen den wachsenden Hass gestärkt.
1987 in Nischni Nowgorod geboren, zog Levit mit acht Jahren nach Deutschland und schloss später sein Klavierstudium mit den besten Noten ab, die sein Institut je vergeben hatte. Seine Karriere nahm früh Fahrt auf, und bis 2020 war er bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden – neben Würdigungen des Internationalen Auschwitz-Komitees für sein gesellschaftspolitisches Wirken.
Am 14. Januar 2024 trat er in der Berliner James-Simon-Galerie im Rahmen von Das gelbe Klavier auf, einer Initiative von Angehörigen Überlebender der Shoah. Das Konzert, das vermutlich auch eine Reaktion auf den Angriff vom 7. Oktober darstellte, folgte auf eine Diskussion mit Michel Friedman im November 2023 im Berliner Ensemble, bei der es um Menschlichkeit, Solidarität und den Kampf gegen Antisemitismus ging.
Levits jüngste Konzertreihe im Wiener Musikverein vom 17. bis 22. Oktober feierte das Leben mit Werken von Schostakowitsch, Mendelssohn Bartholdy und Beethoven. Doch der Künstler spricht auch offen über düstere Themen und verweist etwa darauf, wie Ravels Vertonung des Kaddisch – des jüdischen Trauergebets – die heutige Atmosphäre wachsenden Antisemitismus widerspiegelt.
Er kritisierte die Absage eines Gastspiels der Münchner Philharmoniker in Belgien scharf und bezeichnete den Boykott eines israelischen Künstlers als klaren Akt des Antisemitismus. Solche Vorfälle, so Levit, offenbarten Opportunismus und Feigheit bei denen, die Künstler aufgrund ihrer Nationalität ausschlössen. Dennoch lobte er die Rede von Kanzler Merkz zur Eröffnung der Reichenbacher Synagoge als aufrichtig – auch wenn die Gesamtlage nach wie vor tief besorgniserregend bleibe.
Levits Musik und sein Aktivismus verschmelzen zunehmend zu einer Einheit, während der Antisemitismus zunimmt. Seine Auftritte tragen heute eine zusätzliche Bedeutung: Sie verbinden künstlerische Meisterschaft mit einem Appell für Gerechtigkeit. Für ihn ist der Kampf gegen den Hass nicht nur eine persönliche Angelegenheit – er ist eine Notwendigkeit der Gegenwart.