Humboldt Forum: Hochkultur zwischen Anspruch und Realität in Berlin
Bernhard WeinholdHumboldt Forum: Hochkultur zwischen Anspruch und Realität in Berlin
Das Humboldt Forum beherbergt heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Sein ambitioniertes Kulturprogramm steht dem großer Theater in nichts nach, doch kämpft es darum, ein breites Publikum anzuziehen. Kritiker bemängeln, dass der prunkvolle, palastartige Bau mit seiner unnahbaren Architektur nicht in Berlins gesellschaftliches Gefüge passe.
Die Geschichte des Forums war von Anfang an umstritten. Standen früher vor allem die Verbindungen zu geraubter Kunst und kolonialer Gewalt im Mittelpunkt der Debatten, dient es heute als Plattform für öffentliche Diskussionen und bringt akademische Themen einer breiteren Öffentlichkeit nahe. Eine bevorstehende Veranstaltung widmet sich etwa einem Fluss im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand – und später als Denkmal wieder auftauchte.
Trotz seines anspruchsvollen Angebots wirkt der Ort oft abgehoben. Endlose Betonflure und das Fehlen einladender Treffpunkte in der Nähe schmälern den Besucherreiz. Das Publikum besteht größtenteils aus Touristen, selbst wenn das Programm überzeugt.
Künstlerische Aufführungen wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember hinterfragen gängige Perspektiven. Ihre Arbeit präsentiert Objekte als eigenständige Entitäten und widersteht damit dem kolonialen Blick. Doch die räumliche und soziale Atmosphäre des Forums lässt weiterhin zu wünschen übrig.
Das Humboldt Forum bleibt ein Ort für anregende Debatten und Veranstaltungen. Seine Rolle als kultureller Impulsgeber ist unbestritten – doch wie gut es sich in die Stadt einfügt, bleibt fraglich. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht fort, auch wenn Besucher immer wieder wegen des einzigartigen Programms zurückkehren.
