"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Obdachlosen-Magazin verliert 70 Prozent seiner Leser:innen
Ante Textor"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Obdachlosen-Magazin verliert 70 Prozent seiner Leser:innen
Fiftyfifty, ein Magazin, das in Düsseldorf von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen deutlichen Rückgang seiner monatlichen Auflage. Während einst 40.000 Exemplare verkauft wurden, erreicht es heute weniger als 12.000 Leser:innen. Der Schwund spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider – verschärft durch zunehmende Feindseligkeit gegenüber Verkäufer:innen mit Migrationshintergrund.
Das Magazin bietet Obdachlosen seit Langem nicht nur ein Einkommen, sondern auch Würde und ein Gefühl von Gemeinschaft. Viele sind auf Fiftyfifty nicht nur als Einnahmequelle angewiesen, sondern auch als Plattform für Interessenvertretung und sozialen Austausch. Finanziert durch Verkäufe, Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, unterstützt das Projekt zudem Initiativen wie Straßenhilfe und tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde.
Der Preis pro Ausgabe wurde auf 3,40 Euro angehoben, um die steigenden Kosten zu decken. Während die Printausgabe kämpft, existiert eine digitale Version, die wie eine Rubbellos-Karte funktioniert. Dieses duale Format soll sich den veränderten Lesegewohnheiten anpassen.
Wie andere deutsche Straßenzeitungen steht auch Fiftyfifty unter dem Druck der Digitalisierung. Viele ähnliche Publikationen sind auf Online-Plattformen, Abo-Modelle oder Spendenkampagnen in sozialen Medien umgestiegen. Einige haben ihr Angebot über das gedruckte Magazin hinaus erweitert, um die Verkäufer:innen besser zu unterstützen.
Der Rückgang der Verkaufszahlen unterstreicht die tiefgreifende Krise der Printmedien und die wachsende Diskriminierung von Verkäufer:innen mit Migrationsgeschichte. Dennoch setzt sich Fiftyfifty weiterhin für die Sichtbarmachung von Obdachlosigkeit ein und lotet neue Wege aus, um seine Mission zu erhalten. Für viele bleibt das Magazin vorerst eine unverzichtbare Überlebenshilfe.