16 April 2026, 18:12

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Machtkampf

Titelblatt einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt 'Weitpreubliche Zeitung', mit einem Gruppenbild von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Atmosphäre.

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Machtkampf

Ein langjähriger Medienstreit in Österreich scheint kurz vor der Lösung zu stehen. Christoph Dichand, Verleger der Kronen Zeitung, hat die Genehmigung erhalten, die Anteile der Funke-Mediengruppe zu übernehmen. Damit würde seine Familie erstmals seit Jahrzehnten die volle Kontrolle über das einflussreiche Boulevardblatt erlangen.

Die Vereinbarung geht auf eine Rivalität zurück, die in den 1980er-Jahren begann, als Kurt Falk – einst ein wichtiger Investor der Kronen Zeitung – mit täglich Alles eine Konkurrenzzeitung gründete. Die Geschichte beginnt im Jahr 1959, als Hans Dichand die Kronen Zeitung mit finanzieller Unterstützung von Kurt Falk ins Leben rief. Falk hielt bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil, doch die Spannungen zwischen den beiden Männern wuchsen. 1985 trennten sich ihre Wege, als Falk täglich Alles gründete – eine rivalisierende Boulevardzeitung, die bis 2000 in Druckform erschien und danach kurzzeitig online weitergeführt wurde.

Nach Falks Abgang sicherte sich die Familie Dichand die Kontrolle über die Kronen Zeitung durch ein komplexes Geflecht von Partnerschaften. 1988 gründeten sie Mediaprint, ein Joint Venture mit der WAZ-Gruppe – einem deutschen Medienriesen, der 1948 von Jakob Funke, dem Sohn eines Krupp-Schlossers, aufgebaut worden war. Mediaprint übernahm Anzeigenvertrieb, Druck und Verteilung für die Kronen Zeitung, den Kurier sowie die österreichischen Titel der WAZ, während die redaktionellen Entscheidungen unabhängig blieben.

Die WAZ-Gruppe, die sich zum größten regionalen Zeitungsverlag Deutschlands entwickelte, spielte über Jahre eine bedeutende Rolle in der österreichischen Medienlandschaft. Ihr Engagement bei Mediaprint verband sie lange mit der Kronen Zeitung. Christoph Dichand erbte nicht nur die Anteile seines Vaters, sondern auch dessen Misstrauen gegenüber den deutschen Miteigentümern. Branchenbeobachter vermuten seit Langem, dass die Raiffeisen-Gruppe – ein Finanzverbund mit Verbindungen zur övp-nahen Mitte-rechts-Partei – über diese Strukturen Einfluss auf den Kurier nehmen wollte.

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Nun, da die regulatorische Zustimmung vorliegt, steht Christoph Dichand kurz vor dem Abschluss der Übernahme. Der Deal würde einen langgehegten Wunsch seines verstorbenen Vaters Hans erfüllen, der die Kronen Zeitung stets vollständig in Familienbesitz wissen wollte.

Die Transaktion markiert das Ende eines jahrzehntelangen Machtkampfs um eine der mächtigsten Zeitungen Österreichs. Sobald der Kauf abgeschlossen ist, wird die Familie Dichand alleinige Eigentümerin der Kronen Zeitung sein. Diese Entwicklung könnte die Medienlandschaft des Landes neu prägen – insbesondere, da die Verbindungen zu deutschen Investoren und politischen Interessen an Bedeutung verlieren.

Quelle