Nurejew-Ballett feiert in Berlin triumphale Rückkehr nach russischem Verbot
Ante TextorNurejew-Ballett feiert in Berlin triumphale Rückkehr nach russischem Verbot
Ein Ballett über das Leben Rudolf Nurejews erntet sowohl Beifall als auch Kontroversen
Seit seiner Uraufführung im Jahr 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater wird das Ballett Nurejew gefeiert – und zugleich wegen seiner LGBTQ+-Thematik angefeindet. In Russland wurde es später verboten, doch nun hat die Produktion in Berlin eine neue Heimat gefunden, wo die Geschichte von Nurejews frühem Training bis zu seinem weltweiten Ruhm das Publikum weiterhin fasziniert.
Rudolf Nurejew wurde 1938 im Transsibirien-Express in der Nähe des Baikalsees als Sohn bashkirisch-tatarischer Eltern geboren. Er studierte bei Alexander Puschkin an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad, bevor er 1961 nach Frankreich floh. Seine Karriere katapultierte ihn zu einem der bedeutendsten Tänzer des 20. Jahrhunderts. 1993 starb er in Paris an den Folgen von AIDS.
Das Ballett Nurejew zeichnet seinen außergewöhnlichen Lebensweg nach – mit einer Bühne voller symbolträchtiger Requisiten: männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen seiner italienischen Insel. Der erste Akt besticht durch kraftvolle Solodarbietungen und große Ensembleszenen, doch der zweite Akt verliert trotz visueller Pracht an Schwung.
Der Choreograf Juri Possochow, in Luhansk in der Ukraine geboren und heute US-Bürger, arbeitet trotz des russischen Angriffskriegs 2022 weiterhin mit russischen Theatern zusammen. Regisseur Kirill Serebrennikow hingegen verpasste die Moskauer Premiere 2017, nachdem er wegen Untreue verurteilt worden war. Später zog er nach Berlin, wo das Ballett wiederaufgeführt wurde.
Aufgrund des zunehmenden Autoritarismus in Russland wurde Nurejew 2023 aus dem Spielplan des Bolschoi-Theaters gestrichen. Die Darstellung von Nurejews Homosexualität kollidierte mit der staatlichen Zensur, sodass Produktionen wie diese ins Ausland abwanderten. Das Staatsballett Berlin gibt dem Werk nun eine Bühne und bewahrt so Nurejews Erbe.
Nurejew bleibt ein beeindruckendes Denkmal für eine Tanzlegende, doch seine Zukunft in Russland ist ungewiss. Nach dem Verbot sichern internationale Bühnen wie das Berliner Staatsballett sein Überleben. Mit opulenter Ausstattung und emotionaler Tiefe ehrt die Produktion weiterhin Nurejews rebellischen Geist und seine künstlerische Genialität.






