24 April 2026, 18:36

Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest mit System und Witz

Alte Geschäftsvisitenkarte für Jackson & Damper Senfhersteller, gelegen an No. 2, Primrose Street, Bishopgate, London.

Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest mit System und Witz

Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive Markenrechtspolitik des Modekonzerns. Die Aktion steht im Zusammenhang mit einer neuen Folge seiner Verbraucherrechte-Sendung Got Your Back, in der er ein Produkt unter demselben Namen auf den Markt bringen wird. Mit diesem Stunt lenkt er die Aufmerksamkeit auf die anhaltende Kritik an den juristischen Schritten des Unternehmens gegen Kleinbetriebe und gemeinnützige Organisationen.

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Die 1924 gegründete Marke stand bereits mehrfach in der Kritik – nicht nur wegen ihrer jüngsten Abmahnwellen, sondern auch aufgrund ihrer dunklen Vergangenheit während der NS-Zeit.

Der deutsche Modegigant Hugo Boss hat ein globales Imperium mit über 14.000 Mitarbeitenden in 127 Ländern aufgebaut. Allein 2018 erzielte das Unternehmen mit seinen 439 Filialen einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Pfund. Doch sein Ruf leidet unter wiederholten Rechtsstreitigkeiten mit kleineren Unternehmen um die Nutzung des Begriffs "BOSS".

So wurde die kleine Brauerei Boss Brewing aus Swansea gezwungen, rund 10.000 Pfund für Anwaltskosten und eine Umfirmierung aufzubringen, nachdem sie eine Unterlassungserklärung erhalten hatte. Ähnlich erging es der Initiative DarkGirlBoss, die Schwarze Unternehmerinnen fördert: Auch sie sah sich mit juristischem Druck konfrontiert, als sie versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen. Solche Vorgehensweisen brachten dem Konzern den Vorwurf ein, gezielte Einschüchterungstaktiken anzuwenden.

Doch die Geschichte des Unternehmens wirft zusätzliche Schatten. Während des Zweiten Weltkriegs produzierte Hugo Boss SS-Uniformen für die Nationalsozialisten – unter Einsatz von Zwangsarbeit. Der Firmengründer, ein überzeugtes NSDAP-Mitglied, unterstützte Adolf Hitler offen. 2011 entschuldigte sich das Unternehmen öffentlich für das "Leid und die Entbehrungen", die durch seine Kriegsproduktion verursacht worden waren.

Lycetts Namensänderung und die geplante Produktpräsentation in Got Your Back zielen nun darauf ab, diese Problematik ins Rampenlicht zu rücken. Der Komiker hat noch keine Details zu dem Produkt preisgegeben, betont aber, dass seine Aktion eine bewusste Provokation gegen das Verhalten des Konzerns darstellt.

Sein Protest setzt Hugo Boss erneut unter Druck, die eigene Vorgehensweise bei der Durchsetzung von Markenrechten zu überdenken. Die Vergangenheit des Unternehmens – sowohl die Verstrickung in die NS-Zeit als auch die jüngsten juristischen Auseinandersetzungen – bleibt ein Streitpunkt. Wie die Marke auf diese neueste Herausforderung reagiert, könnte ihren öffentlichen Ruf nachhaltig prägen.

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