Italienische Arbeitsmigration: Wie der Krieg Zehntausende nach Deutschland trieb
Ferdinand WeimerItalienische Arbeitsmigration: Wie der Krieg Zehntausende nach Deutschland trieb
Zwischen dem späten 1930er-Jahren und 1945 wanderten Zehntausende Italiener nach Deutschland aus, um Arbeit zu finden. Zunächst als Saisonarbeiter gekommen, wechselten viele später in industrielle Berufe. Ihre Migration wurde von wirtschaftlicher Not, politischen Umbrüchen und den Anforderungen des Krieges geprägt – mit nachhaltigen Folgen für beide Länder.
Die italienische Zuwanderung nach Deutschland blieb in den 1930er-Jahren begrenzt. Sprachbarrieren, wirtschaftliche Instabilität und schlechte Arbeitsbedingungen hemmten eine groß angelegte Abwanderung. Das änderte sich 1938, als das NS-Regime den deutschen Arbeitsmarkt offiziell für Italiener öffnete und nach Arbeitskräften für die Landwirtschaft und zunehmend auch für die Industrie suchte.
Bis 1941 fehlten Deutschland rund 300.000 Arbeitskräfte, insbesondere für den Angriff auf die Sowjetunion im Rahmen des Unternehmens Barbarossa. Italiener wurden angeworben, um diese Lücke zu schließen – meist Männer, doch auch Frauen arbeiteten in Textilfabriken und brachen damit aus finanzieller Not traditionelle Geschlechterrollen auf. Einige kamen freiwillig, angelockt von Löhnen oder faschistischer Ideologie, andere hatten zuvor mit deutschen Truppen kollaboriert.
Die Situation verschärfte sich dramatisch im September 1943 nach dem Waffenstillstand Italiens. Über 600.000 italienische Soldaten wurden gefangen genommen und als Italienische Militärinternierte (IMI) eingestuft. Ihnen wurden die Rechte entzogen, sie wurden ins Reich deportiert und zur Zwangsarbeit gezwungen – oft in kriegswichtigen Betrieben wie Flugzeugherstellern oder Hydrierwerken.
Selbst nach dem Waffenstillstand kamen noch einige Italiener nach Deutschland. Manche aus wirtschaftlicher Existenznot, andere aus ideologischer Verbundenheit. Ihre Schicksale unterschieden sich stark: Während Zwangsarbeiter und Internierte unter harten Bedingungen litten, blieben wenige nach dem Krieg freiwillig in Deutschland.
Die meisten italienischen Zwangsarbeiter und Militärinternierten kehrten nach Kriegsende in ihre Heimat zurück. Doch eine Minderheit blieb und legte damit den Grundstein für die spätere Gastarbeiter-Migration. Ihre Erfahrungen markieren ein frühes Kapitel der vielschichtigen Geschichte italienischer Arbeitskräfte in Deutschland – geprägt von Zwang und Notwendigkeit.






