Haus der Weltkulturen in Berlin kämpft nach Chefket-Skandal um seine Zukunft
Ante TextorHaus der Weltkulturen in Berlin kämpft nach Chefket-Skandal um seine Zukunft
Berlins Haus der Weltkulturen (HKW) steckt in einer tiefen Krise, nachdem die Absage eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket eine Welle der Empörung auslöste. Die für ihr internationales Programm bekannte Institution sieht sich nun mit einem Boykott aller deutschen Künstler konfrontiert, die aus Solidarität ihre Auftritte absagten – die Zukunft des Hauses ist ungewiss. Der Streit begann, als Chefket, vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt, bei seinem Auftritt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" und der Umrisszeichnung Israels tragen wollte.
Die Kontroverse eskalierte Ende 2024, als dem in Schwaben verwurzelten Rapper vorgeworfen wurde, mit dem T-Shirt – getragen am Jahrestag der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober – antisemitische Signale zu setzen. Kultusminister Wolfram Weimer griff ein und setzte das HKW unter Druck, das für 2025 geplante Konzert abzusagen. Als Reaktion zogen sämtliche deutschen Künstler ihre geplanten Auftritte im Haus zurück – das HKW steht seither isoliert da, abgeschnitten von der nationalen Kulturszene.
Die Folgen der Affäre beschränken sich nicht auf das Haus der Weltkulturen. Auch das Goethe-Institut, das Chefket im Rahmen seiner internationalen Kulturarbeit gefördert hatte, geriet Anfang 2026 in die Kritik und musste sich einer Überprüfung seiner Finanzierung stellen. Kritiker werfen der Institution vor, dass ihre Zusammenarbeit mit Künstlern, die politisch polarisieren, zunehmend zum Risiko wird.
Auch der internationale Ruf des HKW hat gelitten. Zwar gastieren weiterhin globale Acts wie kürzlich der haitianische Saxophonist Jowee Omicil – doch die Rolle des Hauses als kulturelle Brücke ist brüchig geworden. Selbst der Satiriker Jan Böhmermann mischte sich ein und kündigte eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" an, um die Krise der Institution zu thematisieren.
Die Krise fällt in die Amtszeit von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, einem aus Kamerun stammenden Biologen und heutigen Intendanten, dessen "postkoloniales" Programm in der deutschen Kulturelite auf Skepsis stößt. Trotz der prominenten Lage des HKW in unmittelbarer Nähe zum Kanzleramt zeigen sich Bundespolitiker weitgehend desinteressiert – das Haus muss den Sturm allein bewältigen.
Die Absage von Chefkets Konzert hat das HKW in eine prekäre Lage gebracht. Ohne deutsche Künstler, die bereit wären aufzutreten, und mit belasteten internationalen Partnerschaften steht sein Status als kultureller Knotenpunkt infrage. Unterdessen ebbt die Debatte über politische Äußerungen in der Kunst – und die Grenzen institutioneller Unterstützung – nicht ab.






