EU-Reform des Emissionshandels: Klimaziele vs. Industrieinteressen im Kompromiss
Isabella ReinhardtEU-Reform des Emissionshandels: Klimaziele vs. Industrieinteressen im Kompromiss
EU-Kommission stellt Reformpläne für den Emissionshandel vor
Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre neuesten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandelsystems (ETS) vorlegen. Die Änderungen sollen Klimaziele mit den Bedürfnissen energieintensiver Industrien – insbesondere der Chemiebranche – in Einklang bringen. Zu den Anpassungen gehören die dauerhafte Abschaffung der Zertifikatestreichungen sowie ein 30-Milliarden-Euro-Investitionspaket, um die Belastung für Unternehmen zu verringern.
Anfang dieses Jahres hatte die Kommission Kritik von Industrievertretern geerntet, nachdem strenge Entwurfswerte drohten, die kostenlosen Zuteilungen drastisch zu kürzen. Zwar waren die ursprünglichen Pläne hart, doch behielt sich die Kommission die Möglichkeit vor, die Kürzungen im Dialog mit den betroffenen Sektoren abzumildern. Bereits bis Mai 2026 hatte sie die Marktstabilitätsreserve (MSR) reformiert, um das Zertifikateangebot zu erhöhen und die CO₂-Preise zu senken – eine kurzfristige Entlastung für kämpfende Branchen.
Die Reformen sehen zudem mögliche Verlängerungen der kostenlosen Zuteilungen über 2034 hinaus für bestimmte Sektoren vor. Evonik-Chef Christian Kullmann hatte zuvor gefordert, das ETS entweder abzuschaffen oder grundlegend umzugestalten, da es Hersteller übermäßig belaste. Gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese verfasste er einen Gastbeitrag im Handelsblatt, in dem er pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse innerhalb des Systems anmahnte.
Die chemische Industrie wird in den neuen Benchmarks spezifische Anpassungen erhalten. Der Ansatz der Kommission verbindet nun direkte finanzielle Unterstützung mit langfristigen Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern und gleichzeitig die Klimaziele voranzutreiben.
Die anstehenden ETS-Reformen markieren einen Kurswechsel hin zu mehr Flexibilität für energieintensive Branchen. Die dauerhafte Streichung der Zertifikatelöschungen und das 30-Milliarden-Investitionsprogramm unterstreichen den Willen, die Kostenlast zu verringern, ohne den Umweltschutz aus den Augen zu verlieren. Bevor die Vorschläge in Kraft treten, stehen jedoch weitere Prüfungen an.






