Berlin zeigt ungesichtete 90er-Jahre-Fotografie von Daniel Josefsohn
Isabella ReinhardtBerlin zeigt ungesichtete 90er-Jahre-Fotografie von Daniel Josefsohn
Eine neue Ausstellung in Berlin präsentiert das Werk von Daniel Josefsohn, einem Fotografen, der für seine intimen und ungeschönten Porträts der Jugendkultur der 1990er-Jahre bekannt ist. Unter dem Titel Daniel Josefsohn: Unseen zeigt die Galerie Crone bis zum 18. November einen Einblick in ein Jahrzehnt, das von Freiheit und Spontanität geprägt war. Parallel dazu präsentiert die Gruppenschau Show Your Darling V in der Galerie ep.contemporary 38 Fotograf:innen, die jeweils ein Werk als Reaktion auf eine offene Einladung beigesteuert haben.
Die Ausstellung Unseen von Daniel Josefsohn umfasst bisher unveröffentlichte Fotografien, darunter Ohne Titel, 1996 (archiviert als DJo/F96-014). Dieses Bild zeigt eine junge Frau unter der Dusche und verkörpert den sorglosen Geist des Berlins nach dem Mauerfall. Im Gegensatz zu Zeitgenoss:innen wie Nan Goldin oder Wolfgang Tillmans verzichtete Josefsohn auf inszenierte Momente und hielt stattdessen das Leben so fest, wie es sich entfaltete. Seine Selbstporträts und spontanen Aufnahmen strahlten eine natürliche Freude aus – fernab von kommerzieller oder Werbefotografie.
Die Ausstellung Show Your Darling V in der ep.contemporary, die noch bis zum 18. Oktober zu sehen ist, vereint unterschiedliche fotografische Ansätze. Norbert Holicks Beitrag zeigt das notdürftig mit Klebeband reparierte rückwärtige Blinklicht eines Mini und thematisiert damit Improvisation und Legalität. Eric Pawlitzkys neun kleine Schwarz-Weiß-Aufnahmen unter dem Titel The Biggest Mistake: Expensive Camera. Fixed. A Summer Day in Berlin stechen durch ihren trockenen, unterkühlten Humor hervor. Das übergreifende Motto der Schau, All errors corrected!, verbindet diese vielfältigen Werke miteinander.
Josefsohns Werk hebt sich unter den Berliner Fotograf:innen der 1990er-Jahre deutlich ab. Zwar setzten sich auch Goldin und Tillmans mit der Jugendkultur auseinander, doch sein Fokus auf ungeschützte Naivität machte ihn einzigartig. Seine Protagonist:innen agierten nie für die Kamera – sie lebten einfach, und er fing diese flüchtigen, authentischen Augenblicke ein.
Beide Ausstellungen bieten einen Einblick in die lebendige Berliner Fotoszene der 1990er-Jahre. Daniel Josefsohn: Unseen ist noch bis zum 18. November in der Galerie Crone, Fasanenstraße 29, von Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Show Your Darling V läuft bis zum 18. Oktober in der ep.contemporary und zeigt eine Mischung aus verspieltem und zum Nachdenken anregendem Schaffens.






